Freitag, 5. März 2010

Spieler und Spiele



Man sagt, Gott sei am glücklichsten, wenn seine Kinder spielen
sagt Bagger Vance im Film The Legend of Bagger Vance. Behalten wir das für einen Moment im Gedächtnis.
Was meinen Sie: Gibt es Ärzte? Und Richter? Und Polizisten? Ich meine nein. Ich meine, es gibt nur Menschen, die Berufe ausüben.

Wussten Sie, dass die chinesische Sprache dem Wort spielen eine hohe spirituelle Bedeutung zumisst? Dem Taoismus folgend, glauben viele Chinesen an Reinkarnation. Nach ihrer Philosophie hängt vom Karma des einzelnen ab, auf welcher sozialen Stufe er/sie reinkarniert. Ein einfacher Bauer: Mieses Karma. Ein hoher Beamter: Gutes Karma. Der Mandarin: Sehr gutes Karma, hohe spirituelle Entwicklung. Und in der Folge macht die chinesische Sprache einen Unterschied, je nachdem um welche spirituelle Stufe es sich bei einem Protagonisten handelt.

Beispiel: Ein Bauer, der in die Hauptstadt kommt würde übersetzt etwa lauten: Der Bauer kommt in der Hauptstadt an. Das sagt etwas über die Schicksalhaftigkeit des Karmas des Bauers aus. Er kommt an. Es ist definitiv. Unausweichlich. Wenn aber der Mandarin in die Hauptstadt kommt, dann würde das übersetzt etwa lauten: Der Mandarin spielt ankommen in der Hauptstadt. Das zeigt an, dass der Mandarin auf Grund seines hohen spirituellen Standes nicht gezwungen ist, sondern eine Wahl hat. Er könnte auch woanders sein, aber er spielt eben "ankommen in der Hauptstadt."

Interessant, nicht wahr?

Ich glaube, es gibt nur Menschen, die Berufe ausüben - und folglich gibt es solche, die sich zu ihrer Arbeit schleppen, weil sie das müssen und keine Wahl haben. Und es gibt solche, die sich nur schwer von ihrer Arbeit trennen können, weil sie ihnen gar zu viel Spaß macht.

Ich nenne Teilnehmer im Marktgeschehen Spieler.

Je nachdem, auf welcher Stufe sich die Spieler selbst sehen, spielen Sie Schöpfer oder Opfer. Je nachdem, ob sie für sich selbst eine Wahl erkennen, etwas anders, oder etwas anderes machen zu können, sind sie frei oder eben nicht frei - was eine Menge über ihren spirituellen Status aussagt. Nicht über den Status,. den man ihnen von außen zugesteht, sondern den sie für sich selbst erlangt haben.

Es gibt endliche und unendliche Spiele
sagt Carse in seinem gleichnamigen, unübertroffenen Büchlein. Und weiter:

Endliche Spiele spielt man, um zu gewinnen, unendliche Spiele spielt man, um zu spielen […]
Auch interessant, nicht wahr? Wenn man diese Philosophie betrachtet, lässt sich auch sehr gut ein spiritueller Status des einzelnen erkennen - zumindest kann es jeder für sich. Endliche Spiele spielt man um zu gewinnen: "Ich gehe arbeiten, um Geld zu verdienen, damit ich leben kann. Wenn ich könnte, würde ich lieber was anderes machen." Unendliche Spiele spielt man, um zu spielen: Die beste Chance für ein erfülltes und erfolgreiches Leben haben Menschen, die zwischen Privatleben und Beruf keine wirkliche Unterscheidung treffen. Alles fließt ineinander über.

Wo siedeln Sie sich selbst an: Bei den endlichen oder den unendlichen Spielern?

Wie sagt Bagger Vance über Golf und das Leben?

Dieses Spiel kann man nicht gewinnen. Man kann es nur spielen …
Machen Sie's gut … :-)
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