Samstag, 20. März 2010

Ein paar Worte zu Beziehungen

Beziehungen existieren. Sie beginnen nicht und sie enden nicht. Es hat sie gegeben, lange bevor wir sie bemerkt haben und sie existieren immer noch, selbst wenn wir sie für uns beendet haben. Das ist mit Freundschaften so, mit Ehen, mit Geschäftspartnern, Kunden oder was weiß ich mit wem oder was sonst noch.

Das letzte mal, als mir jemand am Tisch gegenüber saß und erzählte, wie sehr er bedaure, dass seine Ehe in die Brüche gegangen sei und wieviele Fehler er gemacht habe und das er die Ehe hätte retten können, wenn er doch nur früher [... 25 Minuten Text ...], dachte ich eine Weile darüber nach, was ich wohl sagen könnte. Oder sollte. Es ist manchmal nervig, still zu halten, wenn jemand grade in Selbstmitleid zerfließt. Und Diskussionen in solchen Situationen führen auch zu nichts. Also beschloss ich, gar nichts zu sagen und mein Gegenüber einfach reden zu lassen.

Aber tatsächlich ist es so, dass niemand wissen kann, was gewesen wäre, wenn! Wozu also, darüber nachdenken? Sicher, es ist nicht einfach, sich eine intensive Beziehung von der Backe zu wischen - und?

Eine sehr liebe Freundin hatte eine ebenso liebe Mama. Als ich sie kennenlernte, die Mama, vor etlichen Jahren, hatte sie schon alle Krebstherapien hinter sich. Chemo eingeschlossen. Alles zwecklos. Ich saß an ihrem Krankenbett, hielt ihre Hand und schaute in das schönste Paar blaue Augen, das ich bis dahin gesehen hatte - dunkel umrandet von Kummer und Schmerz. Einen Tag vor ihrem Tod.

"Weißt du," flüsterte sie, "ich weiß schon, dass ich diesen Krebs selbst verursacht habe. Und vielleicht könnte ich ihn hinter mir gelassen haben, aber ich konnte "ihn" einfach nicht loslassen und ich kann bis zu diesem Augenblick nicht verwinden, dass "er" mich verlassen und mit "ihr" ein neues Leben angefangen hat."

Ich hielt ihre Hand und schwieg. Was hätte ich sagen sollen? Alles, was nötig war, hatte sie selbst gesagt.

Es fällt mir schwer, zu sagen, sie habe ihr Leben weggeworfen, weil sie ihre Ehe nicht hatte loslassen können. Die Ehe war zu Ende gegangen - die Beziehung nicht. Sie hielt an der Ehe fest, und verlor die Beziehung aus den Augen. Ist das nicht schlimm genug? Sie hat mit ihrem Leben dafür bezahlt und - ich hoffe, es war den Preis wert.

Beziehungen ändern ihre Form. Sicher. Aber egal welche Form eine Beziehung annimmt, die Beziehung selbst bleibt.

Wenn sich eine Ehe auflöst, akzeptieren Sie das. Sie haben keine Schuld. Ihr(e) Ex auch nicht. Niemand hat Schuld. Sie müssen auch nicht verzeihen. Aber wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit von dem, was er oder sie getan (oder nicht getan) hat, abziehen und statt dessen auf das richten, was er oder sie ist, dann ist alles gut und es braucht kein Verzeihen.

Machen Sie's gut ... :-)

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